Informationssicherheitsbeauftragter (ISB) – Aufgaben, Pflichten, Bestellung

Der Informationssicherheitsbeauftragte (ISB) ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Sicherheit von Informationen, IT-Systemen und Daten in einer Organisation. Er gestaltet, koordiniert und überwacht das Informationssicherheits-Management-System (ISMS).

Was ist ein Informationssicherheitsbeauftragter?

Der Informationssicherheitsbeauftragte – oft abgekürzt als ISB oder im englischen Sprachraum als Chief Information Security Officer (CISO) bezeichnet – ist die operativ verantwortliche Person für den Schutz aller schützenswerten Informationen eines Unternehmens. Er agiert als Bindeglied zwischen Geschäftsleitung, IT-Abteilung, Datenschutz und Fachbereichen.

Während der Datenschutzbeauftragte (DSB) sich speziell mit personenbezogenen Daten beschäftigt, hat der ISB den weiteren Blick: Er schützt alle Informationswerte – ob personenbezogen, geschäftskritisch oder vertraulich.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten

Die Tätigkeit des ISB umfasst ein breites Spektrum strategischer und operativer Aufgaben:

  • Aufbau und Pflege des ISMS nach anerkannten Standards wie ISO/IEC 27001 oder BSI IT-Grundschutz
  • Risikomanagement: Identifikation, Bewertung und Behandlung von Informationssicherheitsrisiken
  • Erstellung von Richtlinien und Konzepten (Sicherheitsleitlinie, Notfallhandbuch, Berechtigungskonzept etc.)
  • Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden (Awareness-Maßnahmen, Phishing-Simulationen, Schulungen)
  • Vorfallmanagement (Incident Response): Koordination bei Sicherheitsvorfällen und Cyberangriffen
  • Audits und Kontrollen der Wirksamkeit getroffener Schutzmaßnahmen
  • Berichterstattung an die Geschäftsleitung über Sicherheitslage, Risiken und Verbesserungspotenziale
  • Zusammenarbeit mit dem Datenschutzbeauftragten sowie Behörden, Auditoren und externen Dienstleistern

Wann ist ein ISB erforderlich?

Eine generelle gesetzliche Pflicht zur Bestellung eines ISB gibt es – anders als beim Datenschutzbeauftragten – nicht. Allerdings ergibt sich die Notwendigkeit aus zahlreichen Vorgaben und Standards:

  • KRITIS-Verordnung und BSI-Gesetz für Betreiber kritischer Infrastrukturen
  • NIS-2-Richtlinie (umgesetzt durch das deutsche NIS2UmsuCG) für eine deutlich erweiterte Anzahl von Unternehmen
  • ISO/IEC 27001-Zertifizierung setzt Rollen für Informationssicherheit zwingend voraus
  • Vertragliche Anforderungen von Auftraggebern, insbesondere im B2B-Umfeld und bei Behörden
  • Branchenspezifische Vorgaben (z. B. KAIT/VAIT/BAIT für Finanzdienstleister, MaRisk, TISAX für die Automobilindustrie)

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Interner ISB oder externer Dienstleister?

Die Rolle kann intern besetzt oder an einen externen Dienstleister ausgelagert werden – beides hat seine Vor- und Nachteile:

Kriterium Intern Extern
Kennt das Unternehmen ✅ sehr gut ⚠️ Einarbeitung nötig
Unabhängigkeit ⚠️ eingeschränkt ✅ hoch
Fachwissen, breit aufgestellt ⚠️ abhängig von Person ✅ i. d. R. tief
Verfügbarkeit im Notfall ✅ vor Ort ⚠️ vertraglich geregelt
Kosten laufend (Personal) kalkulierbar (Pauschale)

Anforderungen an die Person

Ein guter ISB verbindet technisches Verständnis mit organisatorischer Kompetenz und kommunikativem Geschick. Typische Qualifikationen sind:

  • Fundierte Kenntnisse in IT- und Netzwerksicherheit
  • Erfahrung mit ISO 27001, BSI IT-Grundschutz oder vergleichbaren Frameworks
  • Verständnis für Datenschutz (DSGVO/BDSG)
  • Methodische Kompetenz im Risikomanagement
  • Kommunikationsstärke gegenüber Geschäftsleitung und Mitarbeitenden
  • Zertifizierungen wie ISO 27001 Lead Implementer/Auditor, CISSP, CISM oder BSI-Grundschutz-Praktiker sind oft gefordert

Abgrenzung zu anderen Rollen

In der Praxis kommt es häufig zu Verwechslungen – hier eine kurze Abgrenzung:

  • Datenschutzbeauftragter (DSB): Schutz personenbezogener Daten gemäß DSGVO
  • IT-Sicherheitsbeauftragter: Häufig synonym zum ISB, kann aber auch enger nur auf IT-Systeme fokussiert sein
  • CISO: Englische Bezeichnung, oft auf Führungsebene angesiedelt
  • Notfallbeauftragter (BCM): Verantwortlich für Business Continuity, arbeitet eng mit dem ISB zusammen

Fazit

Ein Informationssicherheitsbeauftragter ist heute kein Luxus mehr, sondern für viele Unternehmen eine strategische Notwendigkeit. Er schützt nicht nur Daten und Systeme, sondern auch das Vertrauen von Mandanten, Kunden und Geschäftspartnern – und damit eines der wertvollsten Güter eines jeden Unternehmens.

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